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Gute Einführung - und ein Geheimtipp für Dozenten
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Wer am Beginn des Theologiestudiums steht, hat in der Regel noch keine konkreten Vorstellungen von dem, was auf ihn zukommen wird. Wie ist das Studium eigentlich aufgebaut und welche Lehrinhalte hat es? Habe ich überhaupt die richtigen Voraussetzungen? Wie lange werde ich studieren müssen? Welche beruflichen Möglichkeiten gibt es? Diesen Startproblemen will Martin H. Jung nun mit seiner neuen "Einführung in die Theologie" Abhilfe schaffen. Jung, geb. 1956, ist evangelischer Theologe und Professor für Historische Theologie an der Universität Osnabrück. Vorher war er als Pfarrer und Religionslehrer tätig und hatte als Dozent in Tübingen, Siegen und Basel mit vielen Studienanfängern zu tun. Sein Buch ist aber nicht nur an jene gerichtet, die sich schon für ein Theologiestudium entschieden haben, sondern auch an Abiturienten, die vor der Frage der Studienwahl stehen. So steigt Jung mit der Frage ein "Theologie studieren - warum und wozu?". Bei der Beantwortung lässt er unterschiedlichste Studenten mit ihren Motivationen zu Wort kommen und geht im Weiteren auch auf den Gesichtspunkt der Berufung ein: Man müsse für ein Theologiestudium grundsätzlich keine innere Berufung empfinden, allerdings hätten eigene Frömmigkeitserfahrungen und persönliche Bekehrungserlebnisse als Motivation durchaus ihr Recht. Dieses Beispiel steht für eine grundsätzlich sehr ausgeglichene Darstellung Jungs, der bemüht ist, alle theologischen Richtungen im Blick zu haben. Leider verlässt Jung seinen sonst objektiven Stil in dem Kapitel "Entstehung und Geschichte der Theologie". So urteilt er: "Jesus war ein religiös bewegter und engagierter Mensch, der - vermutlich wider Willen - zum Gegenstand religiöser Verehrung und zum Ausgangspunkt einer neuen Religion und damit zum Religionsstifter wurde" (15). Es folgen keine differenzierteren Ausführungen, so dass der Eindruck geweckt wird, als ob es bei der grundlegenden Frage nach den Anfängen keine unterschiedlichen Lehrmeinungen gäbe. Im Kapitel "Erscheinungsbild und Selbstverständnis der Theologie" geht Jung zum einen auf den Wissenschaftsbegriff und die Stellung der Theologie an der Universität ein, zum andern stellt er die verschiedenen Disziplinen, ihr Verhältnis zueinander und die Themen der Theologie dar. Besonders berücksichtigt sind dabei immer die Gemeinsamkeiten und Unterschiede an evangelischen und katholischen Fakultäten, da sich das Buch an Studierende beider Konfessionen richtet. Der mittlere Teil gibt eine Einführung in die Lehrinhalte der Theologie und zeigt, dass es die verschiedensten theologischen Ansätze gibt von Harnacks liberaler bis zu Bonhoeffers politischer Theologie, von Barths dialektischer über Küngs ökumenische zu Rahners Transzendentaltheologie. Die etwa zwei- bis dreiseitigen Zusammenfassungen beinhalten die Vorstellung eines typischen Vertreters der entsprechenden Richtung in seiner Zeit sowie eine Erklärung der wichtigsten Grundbegriffe des jeweiligen theologischen Ansatzes. Die Auswahl kann keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Dem Studienanfänger vermittelt sie aber einen ersten Eindruck über die Fülle und Vielfältigkeit der Lehrinhalte in der Theologie und bietet eine ausgezeichnete Hilfe zur ersten Orientierung. Zur idealen Prüfungsvorbereitung wie der Umschlagtext des Buches verspricht, dürften diese Informationen allerdings nicht ausreichend sein. Im letzten Teil der "Einführung in die Theologie" geht es um ganz praktische Fragen. Im Kapitel "Das Theologiestudium: Ziele, Orte, Perspektiven" stellt Jung verschiedene Berufsfelder vor, in denen Theologen arbeiten, weist auf Alternativen zur Universität hin, erklärt, welche Studienvoraussetzungen erwartet werden und welche Rolle die Kirche im Studium spielt. Erfreulich ist, dass bei der Frage nach der Wahl der Ausbildungsstätte auch verschiedene Bibelschulen und das Geistliche Rüstzentrum Krelingen genannt werden. Auch auf das Angebot des Arbeitskreises für evangelikale Theologie wird hingewiesen. Zudem stehen sämtliche evangelikale Studienhäuser mit einer kurzen Erklärung zu ihrer Entstehung mit dem Ev. Stift in Tübingen, dem Gerhard-Uhlhorn-Studienkonvikt in Göttingen und anderen in einer Reihe. Den Schluss des Buches bildet eine Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten im Allgemeinen und in der Theologie im Besonderen: Vorlesungen sollte man nachbereiten und begleitende Literatur lesen. Dazu müsse man sich aber nicht alle Bücher auch kaufen, denn es gebe gute Bibliotheken, in denen man sogar zu Hause mit Hilfe von Onlinekatalogen recherchieren könne. Wie man diese Bücher dann bearbeitet und Texte exzerpiert, diese zu einem Referat ausarbeitet und dazu ein Literaturverzeichnis anfertigt, erfährt man hier auch. Natürlich können alle diese Themen nur in Kürze angeschnitten werden. Aber damit verdient sich das Buch auch den Titel "Einführung". Eine Einführung will einen Überblick verschaffen. Sie will zum intensiveren Einsteigen in die Thematik einladen und diesen Zweck erfüllt Jungs "Einführung in die Theologie". Aber auch für schnelles Nachschlagen zu bestimmten Themen ist das Buch bestens geeignet, was der guten Strukturierung und übersichtlichen Gestaltung zu verdanken ist. Die zusammenfassenden Zwischenüberschriften am Rand und das Register am Ende ermöglichen ein gutes Zurechtfinden. Somit kann die "Einführung in die Theologie" all denen empfohlen werden, die mit dem Gedanken an ein Theologiestudium spielen und wissen wollen, was sie erwartet. Denen, die bereits begonnen haben, kann es am Anfang viel Unsicherheit nehmen und erspart ihnen an mancher Stelle das "Durchboxen" durch die ersten Semester. Zahlreiche hilfreiche Hinweise - zum Beispiel auf studienrelevante Internetadressen - und aktuelle Informationen über neuere Entwicklungen wie die Einführung des Credit-Point-Systems machen dieses Buch aber auch zu einem Geheimtipp für alle Dozierenden, die mit Studienanfängern arbeiten.
Corinna Podszus
Ichthys 40 (2005), 56f
Eine Rezension von ichthys-Redaktion Marburg
vom 3. Juli 2007 | | |
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